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ISLAND • FEBRUAR 2015

 

Aurora Borealis über der Gletscherlagune Jökulsárlón

 

Island, die wilde Insel im Nordatlantik. Ein Besuch im Winter ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Endlose Lavafelder, majestätisch Vulkane, unzählige Wasserfälle und imposante Gletscher erwarten einen in einem winterlichen Licht, das Seinesgleichen sucht. Hingegen der Tatsache, immer noch in Europa zu sein, betritt der Reisende eine völlig fremde Welt, die zwei Kontinente in sich vereint.

Bekannter Maßen liegt Island auf dem mittelatlantischen Rücken, hier dirften die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte durchschnittlich zwei Zentimeter pro Jahr auseinander. Besonders gut zu sehen ist diese Bruchkante auf der Reykjanes-Halbinsel und im Þingvellir Nationalpark. Nun liegt der Gedanke nahe, dass die Insel auseinanderfällt. Dem ist aber nicht so, die Insel erneuert sich genau aus dieser Riftzone immer wieder selbst. Das Land aus Feuer und Eis ist immer in Bewegung und zeigt im Winter eine ganz besondere Show der Elemente, die einen unweigerlich in seinen Bann zieht.

 

Operation "Nordlichter" beginnt...

Der Wintertrip nach Island ist mein zweiter Besuch auf dieser wunderschönen Insel. Schon beim ersten Mal im Oktober 2013, wusste ich schon, dass ich bald zurückkehren würde. So ergriff ich im Februar die Gelegenheit und machte mich auf, diesesmal für acht Tage. Nach einem ersten gemütlichen Abend und einer Übernachtung in Reykjavik ging es los Richtung Vik, dem südlichsten Punkt Islands. Die mehrstündige Fahrt im Schneckentempo durch starken Schneefall erforderte höchste Konzentration. Für manche mag dies die Horrorvorstellung schlecht hin sein im Urlaub, aber die "weiße Einsamkeit" hatte was wirklich Beruhigendes. Trotz der Wetterverhältnisse musste ein obligatorischer Stop eingelegt werden, um die Einheimischen zu begrüßen.

 

Mit einer stoischen Ruhe trotzen die Islandpferde Wind und Wetter

 

Nach Ankunft und Zimmerbezug im Iceland Air Hotel Vik und einer kleinen Ruhepause stand ein Strandspaziergang auf der Tagesordnung. Wer jetzt an weißen Sand und Palmen denkt, den muss ich leider enttäuschen. Wobei weiß war der Strand teilweise schon, das lag aber am Schneefall. Bei dem skurrilen Anblick des teilweise schneebedeckten schwarzen Sandstrandes fühlte man sich automatisch in die Schwarz/Weiß-Zeit zurück versetzt. Der Tag verabschiedete sich genauso wie er begonnen hat, mit ausgiebigem Schneefall und ich habe mich nach dem Abendessen schon damit abgefunden, den Superbowl im Fernsehen zu verfolgen. Ein Blick aus dem Fenster nach Anbruch der Dunkelheit gab mir dann Hoffnung, dass der Tag mit ein bisschen Glück evtl. doch noch nicht zu Ende sein könnte. Das große Ziel der Reise sollte sein, zum ersten Mal im Leben die Nordlichter (Aurora Borealis) bestaunen und fotografisch festhalten zu können.

Beim Anblick der Sterne war ich zwischen Hoffen und Bangen völlig hin und her gerissen. Dann plötzlich, bei einem Blick aus dem Fenster zur späteren Stunde, traute ich meinen Augen kaum, genau über dem Hotel ein leuchtend grüner Streifen am Himmel. Ich konnte es garnicht glauben, aber als bei einem zweiten Blick der grüne Streifen noch immer da war, wusste ich, es ist Zeit zu handeln. In Windeseile packte ich meinen Fotorucksack und sprang ins Auto. Auf einer Anhöhe, fünf Fahrminuten von Vik entfernt, brachte ich mich in Position und wartete auf ein erneutes Erscheinen der Lichter, da der erste grüne Streifen in der Zwischenzeit verblasst war. Es war beeindruckend bei Vollmond in der verschneiten Landschaft unter dem Sternenhimmel in völliger Windstille zu stehen und  zu warten, bis Mutter Natur ihr außergewöhnliches Können präsentierte.

Während ich den Himmel beobachtete viel mir eine relativ gerade "Wolke" auf. Ein Probefoto mit ca. fünf Sekunden Belichtungszeit brachte Gewissheit, es war keine Wolke, es war der grüne Streifen. Die Aufregung gepaart mit freudiger Erwartung wurde immer größer. Kurz darauf frischte der Wind merklich auf und dann ging das Spektakel los! Innerhalb von Sekunden tanze ein leuchtend grüner Vorhang am Himmel, wie er schöner nicht sein könnte. Sogar die etwas selteneren rot-violetten Töne waren deutlich zu sehen und "regneten" auf die Erde herab. Dieses märchenhafte Schauspiel war mehr als eine Entschädigung für den ganztägigen Whiteout. Gleich in der zweiten Nacht auf Island das Glück zu haben die Nordlichter zu sehen, entlockte mir die ein oder andere Freudenträne. Es war ein fesselnder Moment, der einen Lebenstraum in Erfüllung gehen lies, und ganz ehrlich gesagt, ich war einfach nur überwältigt.

 

Linkes Bild: Der Strand von Vik im tristen Grau eines Wintertages - Rechtes Bild: Sternenklare Vollmondnacht bei Vik mit Aurora Borealis

 

Sonnenaufgang ist im Februar zwischen 10:00 Uhr und 10:30 Uhr, das kam mir nach dieser erfolgreichen aber auch kurzen Nacht gerade recht. Auch die kurze Entfernung zum schwarzen Strand "Reynisfjara" spielte mir in die Karten, um nicht lange vor Sonnenaufgang aufstehen zu müssen. Mein Traum, den Strand am Morgen nur mit einer Hand voll einheimischen Fotografen teilen zu müssen, fand schon am Parkplatz sein Ende, als dort der erste Reisebus zu sehen war. Am Strand standen 20 Fototouristen aus Fernost in Reih und Glied, die Kamera nach Osten ausgerichtet. Angesichts der 1,2 Millionen Touristen, die seit dem Ausbruch des Eyjafjallajökull 2010 jährlich die Insel besuchen, konnte ich mit der Menge ganz gut leben. Trotz alledem war es ein wunderschöner Sonnenaufgang und ein perfekter Start in den Tag. Bevor die Reise in Richtung Osten weiter gehen konnte, wollte ich unbedingt noch eine Location besuchen, diese führte mich noch ein Stück weiter zurück auf der Ringstraße 1.

Ungefähr auf halber Strecke zwischen Skógafoss und Vik, am Fuß des Eyjafjallajökull, geht ein unscheinbarer Fahrweg zur Küste, dort findet man das Wrack einer alten Dakota der United States Navy. Der graue Flugzeugrumpf im schwarzen Sand, in Verbindung mit der richtigen Lichtstimmung, kann zu dramatischen und eindrucksvollen Bildern führen. In meinem Fall war der Untergrund weiß und der Himmel strahlend blau bei voller Sonneneinstrahlung, also genau das was man als Fotograf nicht so gerne hat. Da ich nicht bis zum Sonnenuntergang warten konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als das Beste aus der Situation zu machen. Der 15 bis 20 minütige Fußmarsch von der Ringstraße bis zum Flugzeug, wie ihn der freundliche Zeitgenosse an der Hotelrezeption beschrieben hatte, entpuppte sich als eine einstündige Wanderung. Aufgrund der Schneeverhältnisse war die "Straße" zum Flugzeug mit meinem normalen PKW nicht zu befahren. Kurz vor Erreichen des Flugzeuges pflügte ein schwarzer Range Rover an mir vorbei durch den Schnee, mit zwei lachenden Insassen, die höfflich grüßten. Es stellte sich heraus, dass es sich um ein äußerst hilfsbereites Paar aus Australien handelte, die mich dann freundlicher Weise mit zurück zur Ringstraße nahmen, so blieb mir der beschwerliche Rückweg erspart.

 

Linkes Bild: Morgenstimmung am schwarzen Strand Reynisfjara - Rechtes Bild: Das Wrack der Dakota

 

Eis, Eis Baby...

Zurück im Auto hieß das nächste Ziel Jökulsárlón. Bis dorthin galt es aber noch ein paar Stunden Autofahrt zu bewältigen. Auf dem Weg zur Gletscherbucht durchquert man, wie so oft in Island, endlos scheinende, windgepeitschte Lavafelder, die einem mal wieder alle fahrerische Konzentration abverlangen, um das Fahrzeug auf Kurs zu halten und nicht im Graben bzw. im Lavafeld zu enden. 2013 war Vik meine Endstation. Die Weiterfahrt in östlicher Richtung bedeutete das Betreten völligen Neulandes für mich. Eindrucksvoll lagen die Vulkane und Gletscher vor mir, jetzt war ich in seinem Reich, im Reich des Vatnajökull, dem mit ca. 8000 km² größten Gletscher Europas. Es versteht sich von selbst, dass ich unterwegs ab und zu anhalten musste um den ein oder anderen Schnappschuß mit zu nehmen.

 

Linkes Bild: Farbenspiel am Straßenrand auf dem Weg zu Gletscherlagune Jökulárlón - Rechtes Bild: Ebenfalls am Wegrand, ein wundervoller kleiner Wasserfall

 

Ein paar Kilometer weiter markierte ein Wegweiser die Abzweigung ins Skaftafjell, diese blieb jedoch erst einmal links liegen und nach einer weiteren Stunde auf der Ringstraße tauchte sie endlich auf, die weiße Brücke am Jökulsárlón. Mit erreichtem Tagesziel konnte nun der Parkplatz entspannt angesteuert werden und der erste Erkundungsgang brachte wieder viele neue Eindrücke. Gerade fällt mir auf, es gibt zu wenig Superlative um dieses Land zu beschreiben, also bitte ich um etwas Nachsicht, falls der ein oder andere Superlativ sich wiederholt. Bilder von Jökulsárlón hat jeder bestimmt schon einmal gesehen, sei es im Fernsehen oder in Zeitschriften und im Internet. Klassischer Weise fotografiert man hier die am Strand befindlichen Eisbrocken in allen möglichen Varianten. Die Location bietet aber noch viele weitere fotografische Möglichkeiten. Allein an dieser einen Stelle könnte man wochenlang fotografieren und würde immer noch jeden Tag neue Motive finden.

Jökulsárlón ist ein riesieger Gletschersee, in den eine Zunge des Vatnajökull kalbt. Abgebrochenes Gletschereis treibt in verschieden großen Eisbergen durch den See, bis es durch eine schmale Passage ins offene Meer treibt. Von der Brandung erfasst, wird das Eis an den vorgelagerten Strand gespült und findet dort im schwarzen Sand seine letzte Ruhestätte. Problematisch ist hier wiederum nur die Lage direkt an der Ringstraße. Einsamkeit sucht man vergebens. Logischer Weise tummeln sich hier einige Fotografen und Touristen. Angesichts der enormen Länge des Eisstrandes verläuft sich das jedoch relativ gut. Einzig die Motivsuche kann sich etwas schwierig gestalten, wenn man ein Motiv ohne Fußspuren im Sand möchte. Selbst das "Problem" löst sich aber mit Hilfe der Gezeiten und des Windes, die den Strand wieder rein waschen. Wie so oft kommt es darauf an zur richtigen Zeit vor Ort zu sein. Ein spektakulärer Sonnenaufgang am "Diamantstrand", wie Jökulsárlón auch oft genannt wird, gehört mit Sicherheit zu den Ereignissen, die man erlebt haben sollte. Der Himmel steht buchstäblich in Flammen und die Eisbrocken liegen am Strand wie brennende Glut.

 

Der Diamantstrand Jökulsárlón im Morgenlicht

 

15 Minuten entfernt vom Gletscherstrand liegt der Hof Hali, welcher für drei Nächte als Stützpunkt dienen sollte. Das mit Buchrücken verzierte Hauptgebäude hat mehrere Funktionen, es dient als Museum, Restaurant, Rezeption, Souvenirgeschäft und Wetterzentrale. Über den für Gäste zugänglichen PC lassen sich die aktuellsten Daten bezüglich Bewölkung und Nordlicht-Aktivität abrufen. Wenn Hali als Unterkunft dient, sollte man es sich nicht nehmen lassen, das Restaurant zu besuchen. Das Lamm aus hauseigener Züchtung und der Arctic Char, eine Seesaiblingart, die in alpinen Seen und arktischen Küstengewässern vorkommt, schmecken vorzüglich. Frisch gestärkt, nach einem ausgiebigen Frühstück ging es am nächsten Vormittag gleich wieder zum Strand und dann weiter zu einer Gletscherhöhlentour.

 

Auf Tauchstation im ewigen (?) Eis...

Im Anschluss an das morgentliche Strandritual ging es 30 Minuten in westlicher Richtung zu einer kleinen Tankstelle. Dort beifndet sich das Büro der Firma Local Guide of Vatnajökull, welche die Gletscherhöhlentouren anbietet. Guide Aaron brachte die Teilnehmer sicher mit einem "Monstertruck" über das Gletschervorfeld zur Zunge des Vatnajökull. Die abenteuerliche Fahrt an sich war schon ihr Geld wert. Nachdem alle Helme verteilt und alle Teilnehmer eingewiesen waren, stieg die Gruppe durch eine schmale Spalte hinab ins Innere des Gletschers. Mit offenem Mund und großen Augen stand ich inmitten eines blau leuchtenden und funkelnden Eispalastes und fühlte mich einfach nur klein und unbedeutend. Um einen herum Jahrhunderte der Erdgeschichte und die schwarze Einschlüsse im blauen Eis legen Zeugnis ab, über jeden einzelnen Vulkanausbruch. Ich glaube es gibt keinen anderen Ort, an dem das Wort Ehrfurcht passender sein könnte.

Mit der  traurigen Gewissheit, dass diese Höhle im nächsten Jahr nicht mehr existieren wird, da die Gletscher im Jahr durschnittlich um 100 Meter abschmelzen und von den Eindrücken noch völlig überwältigt führte der Weg nun wieder zurück in Richtung Unterkunft. Unterwegs passierte ich mehrere Gletscherzungen und Gletscherseen. Einer davon, der Fjallsárlón ist sehr gut zu erreichen und ist kein bisschen weniger imposant, als sein großer Bruder Jökulsárlón. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt keine Menschenseele dort und so konnten ich die Magie des Ortes völlig ungestört auf mich wirklen lassen. Bei Anbruch der Dämmerung fuhr ich weiter Richtung "Heimat" und da, Sie ahnen es sicher schon, stand wieder der Gletscherstrand auf dem Programm. Mit vollem Bauch und den neusten Information über die Auroraaktivität und die Bewölkung im Gepäck, war klar, dass diese Nacht wieder ganz im Zeichen der Nordlichter stehen würde, und wo könnte man diese besser in Szene setzen als, genau Sie haben es erraten, am 15 Minuten entfernten Jökulsárlón. Das Einleitungsbild dieses Artikels zeigt den Erfolg dieses nächtlichen Ausflugs.

 

Linkes Bild: Gletscherhöhle im Vatnajökull - Rechtes Bild: Blick über den Gletschersee Fjallsárlón

 

Ein Tag war noch übrig bevor es wieder zurück nach Reykjavik gehen sollte. Geplant war der Besuch des Svartifoss im Skaftsfjell. Somit fuhr ich eine gute Stunde in westlicher Richtung, genau zu der Abzweigung, die ich bei meiner Ankunft links liegen gelassen hatte. Der Svartifoss gehört mit zu den bekanntesten Wasserfällen Islands, er fällt über eine Kante aus Basaltsäulen in ein kleines Tal. Um zu den gewünschten Fotos zu kommen, hätte ich in ein kleines Tal absteigen müssen. Leider war der Weg nach unten eine spiegelglatte Eisbahn, die nur mit Steigeisen oder Schlittschuhen zu bewältigen gewesen wäre. Die gewünschten Bilder habe ich dadurch leider nicht bekommen, d.h. ich muss nochmal nach Island fahren. Wenn Sie bis jetzt den Bericht aufmerksam verfolgt haben, können Sie sich sicher vorstellen, wie schwer mir das fallen wird.

Nicht weit vom Svartifoss entfernt, ca. fünf Autominuten, bietet sich die Möglichkeit einen weiteren eindrucksvollen Gletscher von Nahem zu sehen, den Svínafellsjökull. Dieser Gletscher sticht einem durch seine extrem blaue Farbe schon von der Ringstraße ins Auge. Linker Hand des Parkplatzes führt ein Weg den Hang hinauf und ermöglicht einen sensationellen Blick über den gesamten Gletscher. Die Faszination für die eindrucksvolle Gletscherlandschaft ließ mich völlig die Zeit vergessen und somit war der Tag schon zu weit fortgeschritten um die geplante Fahrt nach Stokksnes anzutreten. Nachdem die himmlische Stimmungslage einen solchen Kraftakt auch nicht rechfertigte, beschloss ich, mir diese Location ebenfalls für meinen nächsten Besuch aufzusparen. Indem der Rest des Tages nun zur freien Verfügung stand und ich ja wieder zur Unterkunft zurück musste, wissen sie genau, wo noch ein Fotostop eingelegt wurde. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Gletscherlagune Jökulsárlón nicht nur ein El Dorado für Eisblockfetischisten ist, auch Wildlifefotografen finden ein breites Spektrum vor. Seevögel aller Art tummeln sich hier, ich persönlich habe mich sehr über eine absolut entspannte Eiderente gefreut. Des Weiteren nützt eine Seehundkolonie die geschützte Lagune als Ruheplatz. Die Tiere liegen ca. 20 Meter vom Ufer entfernt auf den Eisschollen und posieren gerne mal für einen schönen Schnappschuß.

 

Linkes Bild: Seehunde in der Gletscherlagune Jökulsárlón - Rechtes Bild: Eiderente trinkt am Ufer der Gletscherlagune Jökulsárlón

 

Nun war es also an der Zeit von Hali und dem Gletscherstrand Abschied zu nehmen und für die letzten drei Tage nach Reykjavik, die rauchende Bucht, zurück zu kehren. Grund zur Traurigkeit gab es aber keinen, da die zwei letzten vollen Tage noch aufregende Erlebnisse versprachen. Die Rückfahrt an sich verlief relativ unspektakulär. Nennenswert ist nur ein Stop am bekannten Wasserfall Skógafoss. Das trübe Wetter bot aber nur Gelegenheit für das ein oder andere Schwarz/Weiß-Bild, aber ganz ohne Foto von dem 60 Meter hohen Wasserfall wollte ich dann auch nicht nach Hause fahren. Stunden später machten sich erste Zeichen der Erschöpfung und ein leichtes Hungerfühl breit. Nach einer kleinen Ruhepause im Hotelzimmer war dies eine gute Gelegenheit, den Tag in Reykjaviks charmanter Altstadt ausklingen zu lassen. Eine kleine Stadtrunde zum "Sun voyager", einem Wahrzeichen Reykjaviks, welches einem Vikingerschiff nachempfunden ist, und zur "Harpa", quasi dem Kultur- und Tagungszentrum kam nach der langen Autofahrt gerade recht, um sich noch etwas die Beine zu vertreten. Mit der Bewegung an der frischen Luft wuchs auch der Hunger, und so endete der Rundgang im kultigen Laundromat Cafe, bei einer Ingwer-Karottensuppe und einem Lachsfilet.

 

Vom kalten Gold ins warme Blau...

Da für den nächsten Tag das bessere Wetter der beiden Tage vorhergesagt war, und für den Nachmittag sogar Sonne, bot es sich an, die Tour zum Goldenen Zirkel zu machen. Nachdem dieses mal die Fahrstrecke verhältnismäßig kurz war und das Wetter am Morgen auch noch bescheiden sein sollte, war keine Eile geboten. Dem entsprechend ging der Ausflug zuerst zum weit entferntesten Punkt des Zirkels, dem Gullfoss. Der goldene Wasserfall zeigte sich im eisigen Gewand, selbst der Weg zum 33 Meter hohen Wasserfall war nur zur Hälfte begehbar. Die zweite Hälfte direkt zum Wasserfall war wegen Vereisung gesperrt. Haukadalurs Thermalfelder bildete den nächsten Haltepunkt. Dort bewunderte ich mehrere Ausbrüche des Geysirs Strokkur, dem Butterfaß, wie sein isländischer Name übersetzt heißt. Es ist immer wieder aufs Neue faszinierend, wie die blaue Blase bis zu 30 Meter hoch in den Himmel explodiert.

Der dritte Stop des Tages war mit einer kleinen Suche verbunden, aber am Ende stand ich doch noch am Bruarfoss. Nicht nur die Suche war etwas hinderlich, auch die immer wieder durchziehenden Schneestürme gaben nur kurze Fenster frei, in denen ich fotografieren konnte. Einen kurzen Schneesturm musste ich mit zwei Fotografenkollegen auf der Brücke am Wasserfall ungeschützt aussitzen. In Anbetracht dieses wundervollen Motivs war das aber völlig egal. Der Bruarfoss ist meiner Meinung nach der schönste Wasserfall Islands. Zurück am Auto verschlechterte sich das Wetter zunehmend. Wind und Schneefall wurden immer heftiger. Ein kurzen Stop in Þingvellir musste dann aber doch noch sein, um den Goldenen Zirkel zu vervollständigen. Der Anblick der Bruchkante zwischen den Kontinenten ist bei jedem Besuch atemberaubend. Im Nationalpark Þingvellir findet sich aber nicht nur die Bruchkante, hier liegt auch der größte Binnensee Islands, der Þingvallavatn. Schneestürmen mit ca. 70 km/h trotzend ging es dann im Schritttempo zurück nach Reykjavik.

 

Linkes Bild: Der Goldene Wasserfall Gullfoss im Winterkleid - Rechtes Bild: Geysir Strokkur kurz vor dem Ausbruch

 

Wie schnell eine Woche doch vergehen kann. Jetzt war er da, der letzte ganze Tag auf Island. Und wie könnte ein letzten Tag entspannter begangen werden, als in der Blauen Lagune? 40° Celsius warmes Wasser und weißer Mineralschlamm für die Haut, das ist Wellness in Reinkultur. Vor dem Erholungsprogramm gab es aber noch eine Rundfahrt auf der Reykjaneshalbinsel, auf der die Blaue Lagune liegt. Eingangs habe ich erwähnt, dass hier auch die besagte Bruchkannte besichtigt bzw. durch sie hindurchspaziert werden kann, deshalb habe ich dies auch wieder getan, ganz ehrlich, es ist einfach super cool innerhalb von Sekunden auf zwei Kontinenten gewesen zu sein. Das Kontinentenhüpfen war aber nur von kurzer Dauer, weiter gings zum Leuchturm Reykjanesviti und der Valahnúkur Steilküste. Beeindruckende Felsformationen führen hier einen endlosen Kampf gegen die heranrollende Brandung.

Die erstarte Lava an den Felswänden, macht schnell deutlich, dass auch dieser Ort keine Sicherheit vor einem eventuellen Vulkanausbruch und seinen Folgen bietet. Gleich auf der anderen Straßenseite zeigt sich die Geothermie ziemlich deutlich. Das Hochtemperaturgebiet Gunnuhver bildet den heißesten Ort Südwestislands. Die Temperatur unter der Oberfläche beträgt hier 300° Celsius. Der fortwährend aufsteigende Dampf und der Schwefelgeruch lassen keinen Zweifel aufkommen, welche Gefahren hier im Erdinneren schlummern. Der Name dieses Gebietes ist auf eine Sage von einem Gespenst namens Gunna (eigentlich Guðrún) zurück zu führen. Das Gespenst heißt es, hätte hier sein Unwesen getrieben und den Leuten Streiche gespielt wie z. B. ihr Vieh versteckt. Schlußendlich gelang es Pfarrer Eiríkur Magnússon, den Geist in jene heiße Quelle zu bannen, die von dort an den Namen des Gespenstes tragen sollte.

 

Linkes Bild: Hochtemperaturgebiet Gunnuhver - Rechtes Bild: Die Blaue Lagune auf der Reykjaneshalbinsel

 

Endlich war es soweit, die Blaue Lagune wurde angesteuert, das Entspannungsbad stand an. Das warme Wasser war Balsam für den windgeschundenen Körper, wobei es erst am Ende der Reise wirklich wahrzunehmen ist, unterwegs verschwendete ich aufgrund der vielen Eindrücke garkeinen Gedanken daran in irgendeiner Weise erschöpft zu sein, und warmes Wasser macht einen bekanntlich sowieso etwas ko. Völlig tiefenentspannt verlief der letzte Abend in Reykjavik, welcher gekrönt durch ein erneutes Abendessen im Laundromat Cafe, sein Ende fand. Abschied nehmen muss sein, sonst kann ich nicht zurück kommen, darum ging es am nächsten Morgen wieder nach Hause. Auch wenn Du Island physisch verlässt, bleibst Du im Geiste und mit dem Herz weiterhin auf der Insel. Wen die Insel aus Feuer und Eis, die Heimat der Trolle und Elfen, einmal in ihren Bann gezogen hat, den lässt sie nicht mehr los...und ich gehöre zu denen, die das von sich behaupten können.

 

Sollten Sie Fragen zum Bericht oder zu Island selbst haben, können Sie mich gerne über meinen Kontakt erreichen. Gerne stehe ich Ihnen so gut es geht Rede und Antwort.

"Nature is not a place to visit. It is HOME"

(Gary Snyder)